Kreuzkirche-KW und Sprengel KW

 

Gedanken zur Fastenaktion der evangelischen Kirche 2021

Spielraum! –  SIEBEN WOCHEN OHNE BLOCKADEN

Liebe Leser*innen

Wenn man mit anderen zusammenleben will, braucht es Regeln. Spielregeln, sozusagen. Doch die funktionieren nur, wenn es auch einen Spielraum gibt. Und diesen Spielraum abzustecken ist eine Kunst. Es gibt keine immer gültige Wahrheit. Unser Spielraum lässt sich nicht für immer festlegen, sondern er verändert sich. Parlamente oder Gerichte beraten und streiten in schwierigsten Fällen darüber, wie eine Ordnung auszulegen ist. Mit der Botschaft der Liebe Jesu Christi lässt sich nicht vereinbaren, hier in eine kindliche Blockadehaltung zu verfallen und alles Vorgeschriebene abzulehnen.  

Liebe und Gnade eröffnen keinen grenzenlosen Spielraum, sondern machen Regeln im Alltag anwendbar. Großzügigkeit heißt nicht: „Es ist mir egal, wie du darüber denkst, um dann zu sagen: Hier gilt nur, was ich für richtig halte!“ Sondern: „Lass uns mal darüber reden, wie wir das hinkriegen, obwohl wir verschiedener Meinung sind.“

Wir haben es in den letzten Monaten erlebt. Wenn Menschen in Seniorenheimen nicht besucht werden durften, erwies sich dies als äußerst harte Begrenzung. Deren Sinn, Bewohner und Pflegekräfte zu schützen, war jedoch keine absolute Blockade. Schon bevor dies offiziell erlaubt wurde, nutzten Heimleitungen ihren Spielraum, öffneten die Türen für Freunde von Sterbenskranken, auch wenn sie nicht zur engsten Verwandtschaft zählten.

Die kommenden Wochen der schrittweisen Wiederbelebung des öffentlichen Lebens stellen uns wieder vor große Herausforderungen. Was ist (schon) erlaubt und welche Regeln gelten (noch)? Da ist sicher viel Verunsicherung, weil neue Spielräume abgesteckt werden. 

Wir können in den nächsten Wochen vor Ostern unseren persönlichen Umgang mit Regeln im Sinne des Fastenmottos 2021 „Spielraum – Sieben Wochen ohne Blockaden“ erkunden. Wie kann man innerhalb von akzeptierten Grenzen großzügig und vertrauensvoll leben? Mit meinen Nächsten in Familie, Gruppen und Vereinen sollte darüber geredet reden.

Nutzen wir den vorösterlichen Spielraum dazu!

Getreu dem Motto: „Spielraum! – Sieben Wochen ohne Blockaden“

Pfr. Arndt (mit Auszügen aus dem Vorwort zum Fastenkalender „Spielraum! Sieben Wochen ohne Blockaden“ von Arnd Brummer) 


Gedanken zum Wochenende

Ein Beitrag in der MAZ vom 23. Januar 2021

Vielfalt bedeutet Reichtum

Begegnungen und Partnerschaften mit anderen fördern den Zusammenhalt in unseren Dörfern und Städten

Vor einigen Jahre weilte ich mit einer Delegation aus dem Kirchenkreis Neukölln in Soweto bei Johannesburg. Wir besuchten den dortigen Partnerkirchenkreis. Ich muss zugeben, dass ich heute noch ergriffen bin, wenn ich an diese Reise denke. Mitten in Soweto, einem der Kriminalitätshotspots Südafrikas waren wir untergebracht. Täglich besuchten wir Kirchengemeinden und erfuhren so viel über die Lebensumstände. Aber auch eine Polizeistation, sozialdiakonische Einrichtungen, die sich gegen die Ausbreitung von AIDS stemmten und Schulen standen auf dem Besuchsprogramm. Wir waren bei Jugendlichen, die in würdelosen Zuständen leben mussten, weil die Eltern an AIDS starben, aber auch bei Menschen, die nach der Apartheit sozial aufsteigen konnten. 

Nach über 40 Jahren existiert diese Partnerschaft bis heute, obwohl sich die Zeiten grundlegend verändern haben. In den letzten Jahren waren Jugendliche aus Nordneukölln in Südafrika, um andere Jugendliche kennenzulernen und um in den Gemeinden zu helfen. Und junge Menschen von dort machten Praktika in unseren Kitas. So sieht eine lebendige, gleichberechtigte Partnerschaft aus.

Dass Christen Partnerschaften zu anderen Christen in der Welt pflegen, wurde ihnen in die Wiege gelegt wurde. Schon die ersten Gemeinden pflegten enge Verbindungen und halfen sich gegenseitig. Und auch wenn man sehr verschieden war, empfand man sich als ein Körper mit sehr unterschiedlichen Körperteilen, die zusammengehören. 

Zu den Partnerstädten von Königs Wusterhausen gehört auch die Schlossstadt Hückeswagen, ca. 40 km von Köln entfernt im Bergischen Land. Diese Partnerschaft hat ihren Ursprung in der Partnerschaft der Ev. Kirchengemeinden Königs Wusterhausen und Hückeswagen. Ende der 60iger Jahren wurden von „oben“ Partnerschaften brandenburgischer Kirchengemeinde mit Gemeinden in Nordrhein-Westfalen initiiert. Aus diesen verordneten Partnerschaften sind wie in Königs Wusterhausen 1979 oft sehr lebendige Beziehungen über den eiserenen Vorhang entstanden. Im Mai 1982 konnte man sich auch endlich in Königs Wusterhausen persönlich begegnen. Heute sind nach so langer Zeit viele Partnerschaften wieder eingeschlafen. Doch die Entwicklung in Königs Wusterhausen war eine Andere. Aus der Gemeindepartnerschaft mit Hückeswagen wurde eine Städtepartnerschaft. So halfen die Hückeswagner beim Aufbau der Stadtverwaltung nach der Wende. Die Feuerwehren beider Städte verbindet viel und die beiden Kirchengemeinden haben immer noch Kontakt. Man nimmt gegenseitig Anteil am Gemeindeleben, wenn beispielsweise Feste gefeiert werden. Besonders lebendig ist bis heute die Partnerschaft der beiden Posaunenchöre. In regelmäßigen Abständen trifft man sich auf halber Strecke zwischen beiden Städten wie zuletzt in Bückeburg zu gemeinsamen Proben und Konzerten oder man besucht sich zu runden Jubiläen, die ja unter Bläsern gern gesellig gefeiert werden. Große Hoffnung besteht, dass man sich in diesem Jahr zur Nachfeier des 90. Geburtstages des Posaunenchores wieder in Königs Wusterhausen treffen kann. 

Mag sein: Vielfalt kann manchmal bedrohlich wirken. Doch es bleibt uns allen die Aufgabe, Vielfalt als Reichtum zu begreifen. Denn durch Begegnungen und Partnerschaften mit anderen lerne ich auch mich selbst besser kennen. Und letztlich wird dadurch der Zusammenhalt in unseren Dörfern und Städten gefördert. 

Wie heißt es in der Bibel: Es werden kommen von Osten und von Westen, von Norden und von Süden, die zu Tische sitzen werden im Reich Gottes. 

Luk 13,29

Pfr. Ingo Arndt 


Gedanken zur Jahreslosung 2021

Ich bin nicht geschockt, wenn Konfirmanden mit dem Wort Barmherzigkeit nichts anfangen können. Es kommt in ihrer Sprache einfach nicht mehr vor. Inständig hoffe ich aber, dass sie dafür andere Wörter gefunden haben. Inständig hoffe ich, dass die meisten noch wissen, dass Barmherzigkeit lebensnotwendig für unser Zusammenleben ist. 
Bin ich ein Gutmensch, ein Menschenfreund, einer, der gern Gutes tut, weil er hofft, dass dadurch auch viel Gutes zurückkommt, nach dem Motto: wie du mir so ich dir?  
Gut, dass es  barmherzigen Menschen gibt. Sie sind ein Hoffnungsschimmer für diese Welt. Sie lindern Not und verbreiten Hoffnung und Freude. Das Wort Barmherzigkeit (lat. misericordias) beschreibt ein Gefühl, das Menschen in ihrem tiefsten Inneren (Herz = cor) trifft. Sie sehen nicht nur die Not (die Misere) des Anderen, sondern sie fühlen sie auch.

Dieses tiefe Mitfühlen, dieses Helfen- und Mittragenwollen, dieses Gefühl, nicht tatenlos zusehen zu können, ganz ohne Berechnung, sondern aus Liebe, das kann nicht aus mir selbst herauskommen.
Luther hat das in seiner direkten Sprache so formuliert: ”Der Mensch ist von Natur aus verderbt.” Der Mensch wägt ab, berechnet, überlegt, was bringt’s? 

Aber ich kann diese selbstlose Liebe und Zugewandtheit für Andere spüren, wenn ich selbst die Erfahrung gemacht habe, unvoreingenommen geliebt zu sein, wenn ich spüre, dass Gott selbst das ”Ja” über mein Leben ausgesprochen hat. 

Die Jahreslosung ermutigt mich also, rückblickend mein Leben zu betrachten und zu schauen, wo mir Gottes barmherziges Handeln im eigenen Leben begegnet ist, wo es wichtige Weichen gestellt hat? 

Das Wissen darum, das auch Glaube heißt, versetzt mich in die Lage, diese bedingungslose Liebe auch Anderen gegenüber zu empfinden- quasi selbst barmherzig zu werden.

Ohne Initiator, ohne Schwungrad geht das nicht. Ich brauche immer wieder Gottes barmherzige und gnädige Liebe, die mir zeigt, wie wichtig und einzigartig ich bin. Denn dann verstehe ich auch, dass die Menschen um mich auch wichtig und einzigartig sind. Dann rührt mich die Misere Anderer in meinem Tiefsten ebenso an. 

Barmherzig sein: das wäre doch ein großartiger Vorsatz für das kommende Jahr!

Mit herzlichen Grüßen von Haus zu Haus

Ihr Pfr. Ingo Arndt

 

  

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